Keine Nullquote in der Informationswissenschaft

Ich hatte ja schon vor ein paar Monaten von der drohenden Einstellung des Studiengangs Informationswissenschaft an der Universität des Saarlandes berichtet — lange Zeit sah es so aus, als sei das Schicksal des Fachs besiegelt. Nachdem der Fakultätsrat der Philosophischen Fakultät III im Februar zunächst eine „planerische Nullquote“ für den Studiengang beantragt hatte, hat im Mai jedoch zunächst der Studienausschuss und in der letzten Woche nun auch das Präsidium der Universität eine Nullquote abgelehnt. Dieser Entscheidung ging intensive Lobbyarbeit seitens der Fachschaft, von Studierendenvertretern und diversen Medien im Saarland in den vergangenen Monaten voraus. Es kommt nicht oft vor, dass eine Entscheidung eines Fakultätsrates von höheren Uni-Gremien zurückgewiesen wird.

Interessenten können sich nun also wieder für das Magisterstudium Informationswissenschaft einschreiben – wohl diesmal wirklich zum letzten Mal. Wie zuvor kann das Studium nur im Wintersemester aufgenommen werden, gleichfalls existiert wie jedes Jahr nur eine begrenzte Anzahl von Plätzen. Die Anmeldefrist endet wohl bereits am 15. Juli 2006 – es ist also Eile geboten. Nähere Informationen zur Studienplatzbewerbung gibt’s auf den Webseiten der InfoWiss und beim Studierendensekretariat.

Der bisherige (seit 1980) Lehrstuhlinhaber Professor Zimmermann wird zum 30. September pensioniert. Seine Stelle wird bis auf weiteres vertreten durch einen noch bekanntzugebenden externen Professor. Die längerfristige Zukunft des Studiengangs ist jedoch unklar. 2007/08 steht auf jeden Fall die Einführung von Master/Bachelor Studiengängen bevor, spätestens dieser Termin fordert eine Neuorientierung des Studienfachs. Derzeit gibt es zwei Modelle: Eines sieht die Integration des Lehrstuhls in einen neuen Studiengang „Bildungswissenschaft“ vor. Auf der anderen Seite wird ein Konzept diskutiert, das eine Angliederung der Informationswissenschaft an die Fachrichtungen Informatik, Wirtschaftsinformatik und Computerlinguistik vorsieht. Letzteres Konzept wurde vor allem von dem Computerlinguisten Prof. Uszkoreit entworfen. Für alle Studierende des bisherigen Studiengangs (auch diejenigen, die sich im WS einschreiben) gilt aber auf jeden Fall eine so genannte „Bestandsgarantie“, die sicherstellen soll, dass diese Studierenden ihr Studium ordnungsgemäß nach dem aktuell gültigen Modell durchführen können.

Der kommissarische Präsident der Saar-Uni, Professor Rolf Hartmann, wird in der Saarbrücker Zeitung mit den Worten zitiert: „Jetzt haben wir den Wettbewerb der besten Ideen“. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch wirklich das beste Konzept durchsetzt.

3 Kommentare

  1. Tja, wer hätte das gedacht!?
    Vielen Dank an alle, die an diesem Erfolg mitgewirkt haben!

    Hoffen wir, dass bei der „Neuorientierung“ nicht die Kerninhalte der InfoWiss verloren gehen…

  2. Ich würde das Studium vor allem Leuten empfehlen, die sich für jegliche Art der „Informationsvermittlung“ und in diesem Kontext mehr für die Komponente „Mensch“ als die technischen Aspekte interessieren.

    Die Informationswissenschaft in Saarbrücken ist an der Philosophischen Fakultät angesiedelt — schon daran zeigt sich, dass wir als Geisteswissenschaft nicht so technikorientiert wie beispielsweise die Informatiker sind. Bei uns steht der Nutzer im Vordergrund, nicht die Maschine oder das effiziente Programmieren von Algorithmen. Allerdings sollte man eben auch in Grundzügen wissen, wie die Maschine funktioniert.

    Ein wesentliches Merkmal der Saarbrücker Informationswissenschaft ist das „breite“, interdisziplinäre Betätigungsfeld. Absolventen arbeiten in den Medien, bei Unternehmensberatungen, in Bildungseinrichtungen, in „klassischen“ Informations- und Dokumentationsbereichen, aber auch teilweise in typischen Informatiker-Berufen und vielen mehr.

    Es gibt so auch nicht ein klassisches Berufsbild „Informationswissenschaftler“, sondern viele Tätigkeitsbereiche, in denen informationswissenschaftliche Kenntnisse gefragt sind. Oftmals wissen allerdings selbst die Personalabteilungen von Unternehmen nicht, dass sie eigentlich auch nach Informationswissenschaftlern suchen sollten 🙂

    Dementsprechend vielfältig ist auch das Lehrangebot. Das wird noch stärker dadurch unterstrichen, dass man zum Hauptfach Informationswissenschaft auch immer zwei Nebenfächer aus dem Studienangebot der SaarUni wählen muss, die zumindest theoretisch jeweils 30% des Studiums ausmachen.

    Das Studium der InfoWiss erfodert einiges an Eigeninitiative. Es ist so gut wie gar nicht verschult, sondern baut darauf, dass der/die Student/in eigenverantwortlich arbeitet und sich nicht einfach nur von den Dozenten „berieseln“ lässt. Wer also lieber einen klaren, vorgegebenen Ablaufplan für das komplette Studium haben will und immer „am Händchen“ gehalten werden muss, der sollte um das Fach einen Bogen machen… Und wer seinen Verwandten immer in einem knappen Satz die Inhalte seines Studienfachs erklären will („Is‘ das ‚was mit Medien?“), ist hier auch nicht soo gut aufgehoben 😉

    Für mehr Infos empfehle ich einen Blick in das Angebot auf den Informationswissenschafts-Webseiten und vielleicht auch einfach mal einen Blick auf unser aktuelles Vorlesungsverzeichnis

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