Das Ende der Informationswissenschaft

Soviel zum Thema „Vermittlung von Medienkompetenz“: Während derzeit alles gehypt und gefördert wird, was sich irgendwie auf „Informatik“ reimt, will man in Saarbrücken durch die Hintertür eine erfolgreiche Fachrichtung dicht machen, die sich seit zwanzig Jahren intensiv mit der Beziehung zwischen Mensch und Medien(-technik) beschäftigt und auch mal über den Tellerrand der blinden Technikverehrung hinausschaut. Usability, Me­dien­pra­xis, Me­dien­öko­no­mie, In­for­ma­tions­qua­li­tät, Wissensmanagement, Information Retrieval, Fach­infor­ma­tion, me­dien­ad­äqua­te In­for­ma­tions­auf­be­rei­tung … all das sind Schlagwörter, die an der Universität des Saarlandes bald keine Rolle spielen mehr sollen. Wer braucht auch schon Informationswissenschaftler im Internetzeitalter? Man findet doch eh alles über Google.

Schöne neue Welt.

12 Kommentare

  1. Die Informatik habe ich auch nur als Beispiel genannt, weil die derzeit überall aus großen Förderpötten finanziert wird. Gleichzeitig übersieht man aber die kleineren interdisziplinären Fachrichtungen wie eben die Informationswissenschaft, die sich mehr mit der Anwenderseite beschäftigt (also bspw. analysieren, warum eine gewisse Onlinebanking-Software für Otto Normal Verbraucher umständlich zu bedienen ist).

  2. Ich stimme dir absolut zu, Sascha.
    Wie ist eigentlich der aktuelle Stand? Kurz vor Weihnachten sah’s ja sehr schlecht aus, aber dann wurde die Entscheidung vertagt – ist doch zumindest ein Anfang!?
    Nur, wenn die InfoWiss tatsächlich mit der Erziehungswissenschaft zusammengelegt werden sollte – das wäre geradezu lächerlich, da die beiden Fächer meiner Ansicht nach meilenweit voneinander entfernt sind. Wie realistisch ist denn die Perspektive, dass die InfoWiss die Fakultät wechselt und bei der Informatik unterkommt?

  3. Naja… also ich bin Saarbrücker Informatiker und ich kenn die Infowissenschaften zwar auch nur vom Hörensagen, aber der Weg, den einige an der Uni gehen, versteh ich eh nicht wirklich. Ich hab in meinen ersten 2 Semestern auch einen Bindestrich-Informatik-Studiengang belegt, den der Wirtschaftsinformatik. Dieser war auch extern von der Informatik verwaltet gewesen (nämlich der BWL) und ich hab mich persönlich ehrlich gesagt eher wie ein Versuchskaninchen gefühlt für einen politisch motivierten Studiengang. Grundsätzlich ist die Idee ja gut gewesen, solche Studiengänge einzuführen, die Bioinformatik zeigts ja, dass es auch geht. Ich würde es ziemlich schade finden, wenn der Studiengang aufgelöst werden würde. Zumal wir einen kompletten Lehrstuhl haben am MPI, der sich halt eben mit gewissen Teilen der Infowissenschaften beschäftigen, zwar mehr von der mathematischen Seite, aber dennoch wäre es eine Schande, wenn eine solche gute Forschungsgrundlage einfach wegen Engstirniger Uni-Chefs einfach so dichtgemacht werden würde

  4. Wie ist eigentlich der aktuelle Stand? Kurz vor Weihnachten sah’s ja sehr schlecht aus, aber dann wurde die Entscheidung vertagt – ist doch zumindest ein Anfang!?

    Nächste Woche tagt wohl nochmals der Fakultätsrat und wie es heisst, steht die Einführung einer Nullquote erneut auf der Tagesordnung. Im Moment sieht’s nicht gut aus. Dank dem Engagement der Studierenden und der Medien ist ja bereits vor Weihnachten ein erstaunlich großer Druck von aussen erzeugt worden — dies wird sich in der kommenden Woche sicherlich wiederholen. Aber wenn man es realistisch sieht, ist die Nullquote wohl unausweichlich.

    Wie realistisch ist denn die Perspektive, dass die InfoWiss die Fakultät wechselt und bei der Informatik unterkommt?

    Im Moment sehr gering. Wenn der Lehrstuhl die Fakultät wechseln würde (egal wohin — auch die Computerlinguisten und die Übersetzer waren ja immer mal wieder interessiert), ginge der Fakultät dadurch ja eine Professurstelle „verloren“. Das möchten gewisse Kreise in der Fakultät natürlich verhindern…

    einen Bindestrich-Informatik-Studiengang belegt, den der Wirtschaftsinformatik

    Tjaha, Winfo ist ein interessanter Fall. Ich habe seinerzeit im Nebenfach auch bei Prof. Scheer studiert und halte Winfo auch heute noch für eine sinnvolle Ergänzung zu einem InfoWiss- oder Informatik-Studium. Als Hauptfach alleine könnte ich mir Wirtschaftsinformatik aber auch nicht vorstellen…

  5. Ich hatte damals als einer der ersten überhaupt den reinen Studiengang Wirtschaftsinformatik belegt und ich war ehrlich gesagt schwer enttäuscht. Zumal die programmiertechnisch-gesehen wichtigsten Mathematikvorlesungen halt eben die BWL-Mathe-Vorlesung gewesen sind, die einen ehrlich gesagt nicht auf die doch sehr mathematisch vorbelasteten Vorlesungen der Informatik vorbereiten konnten. Und Prof. Scheer konnte ich mir auch nur ein Semester lang geben ;-). Nach 2 Semestern sah das ganze so aus, dass von anfangs ca. 50 Leuten nur noch ca. 10-20 Leute in den Vorlesungen gesessen haben. Ich hab zwar damals auch alle Vorlesungen bestanden, aber ich konnte mir den Kram echt nicht mehr geben. Die Unterstützung von Prüfungsämtern und Fachschaften war eh miserabel (bzw. zum Teil noch im Aufbau) und auch sonst hat sich keiner um die Leute gekümmert. Also bin ich nach 2 Sems rüber zur Informatik gewechselt.
    Winfo ist meiner Meinung nach nur ein politischer Studiengang gewesen, der nur deshalb eingeführt worden ist, damit Prof. Scheer (a.k.a. God-father of Winfo) seinen eigenen Studiengang hatte (und womöglich noch damit einen Pool möglicher neuer Angestellter der IDS Scheer).

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